Crowdfunding in Leipzig: Wie Ideen eine Chance bekommen

Durch Crowdfunding können Menschen mit gemeinsamer Kraft innovative Projekte auf die Beine stellen, die ansonsten kaum eine Chance hätten. Auch die Leipziger Gruppe – zuständig für Energie, Mobilität und Wasser in Leipzig – hat das Thema für sich entdeckt und die beliebte Plattform Leipziger Crowd gegründet. Marleen Minker, zuständig für die Konzernmarkenstrategie, gehört zu den MitinitiatorInnen. Im Interview berichtet sie, wie die Plattform funktioniert, was ihr tun könnt, wenn ihr eine Projektidee habt und wie die Leipziger Gruppe unterstützt, damit die Umsetzung klappt.

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Anne Schwerin im Gespräch mit Marleen Minker

Marleen, wie seid ihr von der L‑Gruppe überhaupt auf die Idee zu einer eigenen Crowdfunding-Plattform gekommen?

Unternehmen wie wir von der L‑Gruppe erhalten jedes Jahr mehrere Hundert Spenden- und Sponsoringanfragen. Wir sehen uns hier klar in der Verantwortung, gleichzeitig ist das mit einem hohen finanziellen und organisatorischen Aufwand verbunden. In einer Zeit, in der finanzielle Mittel besonders knapp waren, kam dann eine Idee vom VKU – dem Verband kommunaler Unternehmen mit rund 1.600 Mitgliedesunternehmen: Könnte Crowdfunding nicht eine gute Möglichkeit sein, diese Anfragen zu kanalisieren und gesellschaftlichen wie politischen Erwartungen mit einer neuen Finanzierungsmethode zu begegnen?

Wie ging es danach weiter?

Der VKU bzw. VKU Verlag hat eine zentrale Crowdfunding-Plattform gegründet und seinen Mitgliedern ermöglicht, eine Art White-Label-Version davon zu nutzen. Wir gehörten zu den ersten, die das umgesetzt haben. Technisch und organisatorisch wurden wir dabei von unserem Partner Fairplaid unterstützt. Inzwischen gibt es deutschlandweit rund 45 solcher Plattformen. Aller zwei Monate findet zudem ein Stammtisch statt, bei dem wir uns mit anderen Betreiberinnen und Betreibern austauschen, um die Crowdfunding-Plattformen und -Aktionen kontinuierlich weiterzuentwickeln.

Waren alle relevanten Entscheiderinnen und Entscheider in der L‑Gruppe sofort begeistert?

Nein – wir waren selbst skeptisch und konnten das Aufwand-Nutzen-Verhältnis anfangs kaum einschätzen. Außerdem war Crowdfunding für viele im Konzern Neuland und entsprechend erklärungsbedürftig.

Gleichzeitig haben wir aber auch die Chancen gesehen – vor allem, weil Crowdfunding im Kern sehr gut zu unserer Unternehmensmission passt: Leipzig lebens- und liebenswerter zu machen.

Neben Strom, Wasser, Wärme und öffentlichem Nahverkehr ist es uns ein persönliches Anliegen, gesellschaftliches Engagement zu fördern. Gemeinsam mit Frank Viereckl, Leiter Konzernkommunikation der Leipziger Gruppe, haben wir dann entschieden: Wir probieren es einfach aus.

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Gab es eine Testphase?

Wir sind mit überschaubarem Aufwand gestartet und haben beobachtet, was passiert. Das erste Projekt kam von der Stiftung „Bürger für Leipzig“ – ein kleines Vorhaben für benachteiligte Kinder. Das zweite Projekt war gleich deutlich größer: Ein Fußballverein sammelte 100.000 Euro für einen Kunstrasen. Das war spannend, aber es hat funktioniert. Ab 2020 haben wir begonnen, die Plattform aktiv zu bewerben – online wie offline. Wir sprechen viel über das Prinzip, die Vorteile und die Erfolge der Projekte. Jedes Jahr gibt es zudem eine besondere Aktion mit zusätzlicher Förderung. Seitdem wächst die Plattform stetig. Eine intensive Bewerbung ist nicht mehr nötig.

Wieso das?

Die Leipziger Crowd wird sehr gut angenommen. Allein im letzten Jahr wurden 39 Projekte erfolgreich finanziert. Dabei kamen rund 290.000 Euro zusammen. Seit dem Start der Plattform Ende 2017 wurden bereits mehr als 1,8 Mio Euro an 161 Projekte ausgeschüttet.

Wer kann bei euch mitmachen und welche Projekte werden gefördert?

Grundsätzlich kann bei uns jede und jeder mitmachen: Privatpersonen, Schulen, Vereine oder Stiftungen. Als kommunales Unternehmen ist es uns wichtig, die Lebensqualität vor Ort zu verbessern. Deshalb sollten die Projekte der Region Leipzig zugutekommen, ohne dass wir dabei enge Stadtgrenzen ziehen.

Inhaltlich liegt der Fokus auf Sport, Kultur und sozialen Themen.

Als Konzern dürfen wir Spenden ausschließlich an gemeinnützige Organisationen vergeben – unabhängig davon erhalten aber alle Projektinitiatorinnen und -initiatoren ideelle Unterstützung.

Wie sieht diese ideelle Förderung konkret aus?

Alle Projektteams erhalten ein umfassendes Coaching sowie Vorlagen für Social-Media-Posts, Flyer und weitere Materialien. Es gibt einen Spendenbescheinigungsgenerator, der die Ausstellung von Spendenquittungen erleichtert. Zusätzlich bewerben wir die Projekte über unsere eigenen Social-Media-Kanäle. Jedes Projekt kann außerdem einen Prämienshop integrieren – mit Prämien, die wir zur Verfügung stellen, etwa kleine Give-aways wie Handtücher der L‑Gruppe. Der Erlös fließt vollständig in das Projekt.

Oft entwickeln die Projektteams auch eigene, kreative Prämien, zum Beispiel ein gemeinsames Essen, ein Training mit einer Fußballmannschaft oder eine Bierdusche für den Trainer.

Wie viel Geld steuert die L‑Gruppe selbst bei?

Wir haben einen monatlichen Fördertopf von 1.000 Euro. Wenn Projekte erfolgreich Spenden aus der Bevölkerung sammeln, legen wir Geld dazu. Konkret heißt das:

Für jede Spende von mindestens 10 Euro, geben wir noch einmal 10 Euro dazu, bis der Fördertopf ausgeschöpft ist.

Gerade für kleinere Projekte stärkt das die Selbstwirksamkeit enorm. Zusätzlich gibt es im Rahmen unserer jährlichen Aktionen weitere Fördergelder.

Gab es ein Projekt, das dich besonders bewegt hat?

Es ist jedes Mal beeindruckend zu sehen, wofür sich die Menschen in unserer Stadt engagieren. Den Erfolg der Projekte mitzuerleben, macht große Freude. Besonders stolz bin ich auf ein Projekt aus dem Jahr 2022 zur Ukraine-Hilfe. Die Leipziger Gruppe war dabei gemeinsam mit der Stadt Projektstarterin. Nur ein bis zwei Wochen nach Beginn des Angriffskrieges ging es los, mit dem Ziel, Spenden für Schutzbedürftige zu sammeln.

Der Anspruch war hoch: ein Euro pro Leipzigerin und Leipziger, also rund 600.000 Euro.

Dank vieler Partner und Unterstützerinnen und Unterstützer aus Leipzig haben wir dieses Ziel tatsächlich erreicht. Auch wir selbst haben einen größeren Betrag beigesteuert.

2026 hat gerade erst begonnen. Worauf freust du dich besonders?

Wir feiern in diesem Jahr zehn Jahre Leipziger Gruppe. Vor genau zehn Jahren haben wir anlässlich des Starts unserer Markenfamilie die großen gelben Ls in der Stadt verteilt. Für 2026 haben wir uns gemeinsam mit unseren Partnern zehn Aktionen überlegt, darunter einen zusätzlichen Crowdfunding-Fördertopf. Außerdem wird es Veranstaltungen mit Fotoaktionen geben, aus denen ein großes Mosaik aus Leipzigerinnen und Leipzigern entsteht. Je mehr Bilder im Mosaik, desto mehr Geld im Fördertopf auf der Leipziger Crowd – insgesamt bis zu 6.000 Euro zusätzlich.

Ist es jetzt noch möglich, mit einem Crowdfunding-Projekt für 2026 zu starten?

Auf jeden Fall – und der Einstieg ist ganz einfach. Auf unserer Website gibt es ein Erklärvideo, außerdem bietet unser Partner Fairplaid jeden Mittwoch ein kostenloses Online-Seminar zum Thema Crowdfunding an. Danach kann man sein Projekt mit Titel, Kontakt und Zielsumme auf unserer Plattform anlegen. Anschließend meldet sich eine persönliche Projektberaterin oder ein Projektberater. Dieses kostenlose Coaching von A bis Z ist aus meiner Sicht einer der größten Unterschiede zu anderen Plattformen.

Zudem gilt das Alles-oder-nichts-Prinzip: Gebühren fallen nur an, wenn das Projekt erfolgreich ist – das Risiko ist also minimal.

Möchtest du Leserinnen und Lesern, die jetzt Lust bekommen haben, selbst ein Projekt zu starten, noch etwas mitgeben?

Unsere Projektstarter berichten immer wieder, dass die Crowdfunding-Projekte eine sehr wertvolle Erfahrung für die Gemeinschaft sind. Selbstläufer sind die Projekte jedoch auch nicht. Es ist wichtig, selbst aktiv zu werden, die Werbetrommel zu rühren und die eigene Community einzubeziehen. Dabei ist man aber nicht allein. Und die Zahlen sprechen für sich:

87 Prozent der Projekte auf der Leipziger Crowd erreichen am Ende ihr Ziel.

Hier könnt ihr euch über die Leipziger Crowd informieren und ein eigenes Projekt einreichen. Achtung: 2026 lohnt sich das Besonders. Anlässlich des 10. Geburtstages der Leipziger Gruppe gibt es einen zusätzlichen Fördertopf für gemeinnützige Projekte. Welche Projekte bisher u.a. gefördert wurden, erfahrt ihr hier.

Schöne Bilder und Texte – bei Anne gibt’s beides aus einer Hand. Als freie Redakteurin und Fotografin ist es ihr Job, spannende Themen aufzuspüren und gekonnt in Szene zu setzen. Das größte Projekt von allen wartet indes ungeduldig zuhause auf sie. Seit 2019 ist Anne stolze Mami eines kleinen, süßen Jungen – und das hat ihr Leben ordentlich durcheinander gewirbelt. Auf LAYERS berichtet sie von den Höhen und Tiefen ihres neuen Alltags.

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